Kein Tag ohne Abenteuer!
Ich lebe eigentlich ein sehr beschauliches Leben, aber ab und an platzt ein unvorhergesehenes Ereignis in meinen harmonischen Tagesablauf und wirbelt ihn ordentlich durcheinander. Zum Beispiel heute. Ich hatte mir einen Uhrring (oder eine Ringuhr???) in Amerika bestellt und wartete schon seit einiger Zeit darauf. Ich zweifelte schon, ob er/sie es jemals über den großen Teich schaffen würden, doch dann flatterte heute morgen eine kleine Abenteuereinladung in mein Nest: eine Vorladung zum Zoll.
Nun ja. Tapfer wie ich bin schulterte ich meine Siebensachen, zog meine Wanderstiefel an und stieg auf mein edles Ross namens S-Bahn. Ich bin schließlich Studentin. Das heißt, ich habe zwar genug Geld, um mir Blingbling aus Amerika zu bestellen, aber nicht genug, um mir ein Auto zu kaufen. Und Zölle, Landratsämter etc. befinden sich ja gerne mal außerhalb.
Und so ritt ich durch die finstere Nacht, durch Sturm und Hagel, Schnee und Sandsturm, bekämpfte Drachen und Trolle, rettete Jungfrauen und Einhörner, ruderte durch tiefe Furten und überquerte Bergpässe, holte mir eine Raucherlunge in einem LKW-verseuchten Industriegebiet und ging beinahe an Hunger und Durst zugrunde. Doch dann hatte ich es geschafft: Vor mir hob sich das einschüchternde Zollgebäude empor. Ich schluckte einmal ordentlich Spucke und Brötchenkrümel runter und betrat das Koloss aus Design und Behindertenfreundlichkeit. Ich irrte durch ein Labyrinth aus Gängen, beleuchtet durch jammernde Funzeln, und schließlich stand ich vor ihm, dem furchteinflößenden Zollbeamten. Ich, ganz alleine, bewaffnet nur mit einer Handvoll Papiere, in doppelter Ausführung, von denen ich nicht wusste, ob sie stark genug sein würden, um mir das Leben zu retten. Ich setzte deshalb auf eine Verwirrstrategie und schmiss dem Zollbeamten einfach mal alles hin, was ich hatte. Und siehe da! Er ergab sich und erhob seinen fetten schuppigen Arsch von meinem Schatzzzzzz.

So, jetzt aber mal ganz nüchtern (inwiefern man von Nüchternheit reden kann; wir reden von einem völlig unnötigen Konsumgut, dass ich in einem Fall tiefer Kaufrauschbewusstlosigkeit erstanden habe). Oben sehen wir eine Ringuhr oder einen Uhrring von Melody Ehsani, in Weiß, für läppische 25 Öcken und ein paar Zerquetschte dank des fantastischen Wechselkurses! Ich war ja erst etwas skeptisch, weil ich noch nie etwas in Amerika bestellt habe, aber siehe da! Alles ist gut gegangen, Paypal ist prima und die Uhr/ der Ring passt perfekt! Das eigentliche Ringding, was man um den Finger hat, ist wie ein Uhrenarmband und dehnbar. Da kann dann auch nichts schief gehen.
Und wie soll ich sagen? Nun bin ich originell, modisch, toll, fantastisch etc. und habe keine Ausrede mehr, meine Hände und Nägel nicht zu pflegen. Scheiße!
Dear Melody Ehsani,
If you read this: Thank you. Amazing! Brilliant! Awesome! Fantastic! Wonderful! Marvellous! Lovely!
The End.
(Christ on a bike! My vocabulary is really limited!)