Britney Spears… Im Zuge meiner Videoanalyse von Radar hatte ich das große Vergnügen, etwas näher über dieses Fräuleinwunder nachzudenken. Das habe ich natürlich heimlich schon lange gemacht, denn schließlich pflege ich ein großes Interesse an der Popkultur. Allerdings habe ich noch nie in Worte gegossen, was nun unbedingt nachgeholt werden muss, um all diesen Lobhudeleien für das dralle Weib mal etwas Nüchternes entgegenzuhalten. Es ist nämlich so…

Moi et Britney Spears – (k)eine Fanzbeziehung

Britney betrat 1999 die Bretter, die die Welt bedeuten. Damals war ich im zarten Alter von 14 oder so. Ein leicht zu beeindruckendes Alter, wenn wir ehrlich sind, und eines, wo die musikalischen Ansprüche meist noch nicht so hoch sind. Obwohl… ich erinnere mich daran, dass der Maßstab meiner Jugend die Frage war, ob die Künstler ihre Sachen selbst schreiben… Aber egal. Also da war Britney und ich fand … Baby one more time eingängig und in Ordnung und auch ihre anderen Songs waren okee, aber keine Granaten. Ich war nun mal leicht zu beeindrucken, aber zum echten Fantum hat es mir noch nie gereicht.

Später dann ließ mein Interesse an dieser Frau immer mehr nach, da wesentlich bessere Sängerinnen aufkamen. Lina, Kelis et cetera. fanden ihren Weg in mein Ohr und irgendwann wurde Britney obsolet, denn seien wir ehrlich: Je mehr sie behauptete, reifer zu werden, umso mehr hatte ich das Gefühl, dass ich ihr einige Jahre voraus bin. Zusammengefasst: Ich konnte mich nicht mehr mit ihr identifizieren, ließ mich von ihrer Musik nicht mehr mitreißen und gut singen konnte sie noch nie. Heute ist sie mir eigentlich egal. Ich stochere sowieso in anderen Gewässern herum, aber…

Britney – die Entertainerin

… wenn es eins gibt, was mich wirklich aufregt/ wundert/ nervt/ungläubig staunen lässt, dann ist das die Tatsache, dass jeder von Britney behauptet, sie wäre eine gute Entertainerin. Niemand sagt, dass sie eine große Sängerin ist, nein, sie ist eine großartige Entertainerin. Mit Verlaub: Wenn sie eine Entertainerin wäre, würde sie die Menschen berühren und mitreißen. Wie soll sie das tun, wenn sie Playback singt, eine Stimme hat, die flach wie ein Schwimmflügel mit Loch klingt, ihre Texte ungefähr nie selbst schreibt und ihre Bühnenshows auf sexuelle Antanzereien ausrichtet? Das ist nicht entertaining!

Abgesehen davon ist sie schon deshalb nicht entertaining, weil sie nicht besonders selbstsicher wirkt seit ihrem Absturz. MTV Awards-Gruselauftritt mal beiseite geschoben, aber selbst ihre Videos wirken halbseiden und sie irgendwie deplatziert. Hätte nicht irgendjemand dieser Frau mal eine Pause von ihrem “Entertainment” gönnen können? Wie soll ich jemandem abkaufen, dass er entertaining ist, wenn diese Person augenscheinlich von der Maschinerie des Entertainment verschlungen wird – vor unseren Augen?

Britney – The not-artist

Es ist wichtig zu betonen, dass ich nicht der Meinung aller anderen Leute bin, dass Britney eine Entertainerin ist, weil sie in meinen Augen nichts hat, was sie Massen mitreißt. Weder Talent noch besondere Tanzkünste noch besondere Musik. Sie klingt nicht nach Britney, sondern einem Stücken Produzentenknete.

Das wiederum führt uns zu einem anderen Punkt, ihrem Stand als Künstlerin. Wir schauen zurück: … Baby one more time, Oops I did it again, Britney, In the zone… Vier Alben, eine Devise: “Ich bin reifer geworden.”. Nun ist das natürlich der Standardausspruch jedes Popkünstlers, aber bei diesen vier Alben hatte er in gewisser Weise noch seine Berechtigung. Das Debüt war zuckerperliger Pop, dann folgte ein kurzer Ausflug in ein wenig Rock (grausam noch heute: I love Rock’n'Roll) und anschließend die Versuche, auf die elektronische Höhe der Zeit zu kommen. Britney war vielleicht nicht unbedingt die Vorreiterin, aber sie hatte was Eigenes und befand sich auf einer langen Geraden mit einer gewissen Steigung.

Daran schloss sich an der private Kuddelmuddel und anschließend wurden innerhalb kürzester Zeit zwei Alben auf die Welt losgelassen, die mit Reife nichts mehr zu tun haben. Die Sounds werden von den angesagten Modeproduzenten gesponsert, die Texte selten von der Sängerin selbst und insgesamt klingt sie für jemand jenseits der 25 erstaunlich unreif und dem-Trend-hinterherlaufend.

Ein Künstler/ eine Künstlerin zeichnet sich normalerweise dadurch aus, dass sie sich entwickelt, dass sie besser wird, dass sie Akzente setzt und mit Verlaub, davon ist bei Britney schon seit längerer Zeit nichts mehr zu sehen. Sie ist irgendwann Anfang zwanzig auf einem Entwicklungsstand stehengeblieben und scheint seitdem immer noch die gleiche Denke zu haben und die gleichen Fehler zu machen.

Im Vergleich dazu haben wir Christina Aguilera, die in etwa zur gleichen Zeit wie Britney bekannt wurde und damals ja gerne als Nachmacherin verschrien wurde. Doch was hat sie uns zu bieten? Sicherlich nicht so viele Alben wie Britney, aber dafür eine konstante Weiterentwicklung. Während ihr erstes Album Christina Aguilera im Vergleich mit Britneys gar nichts so verkehrt war, da Fokus auf Stimme, hat sie danach mit Stripped zu einem Befreiungsschlag angesetzt. Das war ihre wilde pubertäre, freizügige Phase. Eine Phase/ ein Album, die Britney so nicht hatte, jedenfalls nicht wirklich. Danach dann das Herunterregulieren, das Sesshaftwerden, die Selbstfindung – und ein feines Soulalbum namens Back to Basics. Christina kann man mögen, muss man aber nicht, aber sie erfindet sich in gewisser Weise jedes Mal neu bzw. sie verbessert sich stetig. Man hat das Gefühl, dass sie nicht nur als Markenname, sondern auch als Person im Musikbusiness erwachsen geworden ist und nun sehr gut damit umzugehen weiß. Britney hingegen ist eigentlich immer noch not a girl, not yet a woman.

Fazit

If u seek the magic of Britney… wirst du keine magic finden. Britney hatte mal was, früher, als sie irgendwie noch altersgemäß wirkte, aber was ist geblieben? Eine Ü25-Braut, die sich die Haare nie fristgerecht blondiert (siehe dunkler Ansatz), wenig eigene Meinung zu haben scheint und musikalisch längst überholt ist (siehe Lady Gaga). Und nein, sie ist keine Entertainerin. Beziehungsweise: Manche Leute nennen auch Rihanna eine große Entertainerin. Wenn Entertainerin bedeutet, dass man nicht singen kann, na gut, dann ist Britney wohl eine Entertainerin…

Doch einen Stempel hinterlässt sie nicht in der Musiklandschaft – nicht mehr.

2 Trackbacks/Pingbacks

  1. [...] – etwas halbwegs Anständiges hervorgebracht? Die Antwort ist nie. Gründe dafür sind hier [...]

  2. [...] angeblich abwertend bespuckt. Falsch! Die Behauptung, dass es sich bei einer Spears um eine „Entertainerin“ handelt, ist mehr als richtig, wenn man „Entertainerin“, so wie es sich gehört, [...]

Einen Kommentar hinterlassen

*
*