Tagesarchiv: Juli 31st, 2009

Wo man hinschaut oder das Öhrchen hinhält – alle reden nur noch über Plasmafernseher. Jeder hat einen, außer ich und das ist gut so, denn in einer Herde Pferde bin ich das Zebra.

Ganz ehrlich – jetzt mal Hosen runter und ganz unter uns gesagt: Der Plasmabildschirm ist doch der Benz für den kleinen Mann. Hoher Anschaffungspreis, hoher Zusatznutzen (als ob die kleine Röhre es nicht auch tun würde), hohe Ästhetik (in den Augen der anderen), hoher Neidfaktor, geringe Folgekosten. Eine gute Möglichkeit, um den Stars aus MTV Cribs ein bisschen näher zu sein.

Und wofür? Alter, dein Kühlschrank ist leer, deine Möbel sind vom Sperrmüll, dein Gehirn nicht trainiert, dein Bücherregal leer und deine kreativen Batterien auch. Alles, was du zu bieten hast, ist ein Plasmafernseher. Dafür erntet man von mir keine Bewunderung, denn 1) finde ich wahlloses Fernsehen sowieso unattraktiv und 2) finde ich es bescheuert, Geld in einen Fernseher zu pumpen. Eine Stereoanlage, einen Computer, von mir aus auch ein Auto – aber ein Fernseher?

Früher war ins Kino zu gehen noch ein Ereignis, jetzt will jeder das Kino zu Hause haben. Ich frage mich, wo diese Bequemlichkeitsentwicklung noch hinführt. Werden wir in ein paar Jahren an Silvester nur noch Tischfeuerwerk machen, damit wir uns nicht bewegen müssen? Und der Hund bewegt sich auf dem Laufband? Über Bequemlichkeitsessen will ich jetzt gar nicht reden. Das lassen wir uns bald sowieso liefern, weil wir den Akt des Einkaufens nicht mehr vollziehen wollen.

Convenience-Lifestyle. Wir wollen den Luxus, den unsere Eltern sich nicht leisten konnten – JETZT!

Fuck you very much.

Jetzt ist wieder ein Semester (fast!, schreien die drei Hausarbeiten) vorbei. Wie traurig! Manchmal geht es so schnell… Hier eine Aufzählung der Dinge, die ich gelernt habe:

  • In Ostdeutschland gibt es keine Ausländer
  • Das Durchschnittsalter der CDU/CSU-Wähler liegt bei über 50. Trotzdem sind sie überall im Web 2.0 vertreten. Sogar bei Myspace.
  • Es gibt Friedhöfe mit horizontalen Grabsteinen (gesehen: Nürnberg, Nähe Plärrer, Gostenhof oder so)
  • Der Nürnberger Stadtteil, das angebliche Künstlerviertel, wird auch GoHo abgekürzt
  • Wenn du Chef bist, sägt dein Stellvertreter dir generell am Stuhl
  • Mein Browser hat eine fantastische Zoomfunktion
  • Ich habe den Harry Potter unter den Lehrbüchern gelesen (Holtbrügge: Personalmanagement)
  • Alle Griechen sind supergebildet
  • Die Leute geben bei Straßenumfragen wesentlich öfter ihre Gehaltsklasse an, als man das denkt. Vielleicht lag es aber auch an mir, der besten Interviewerin aller Zeiten
  • Mein Macces ist der tollste Computer aller Zeiten!
  • Love Pages, Love Keynotes, Love Numbers! Fuck Microsoft!

Es war doch mal wieder sehr lehrreich. Würde ich allerdings diese gehaltvollen Punkte dem unsinnigen Schund gegenüberstellen, den ich mir völlig unnötig ins Hirn gedrückt und dann wieder vergessen habe – nun, dann würde meine Uroma im Grab rotieren.

Oh Hilfe! Ich blute Buchstaben!

Mit den Sugababes ist das so. Sie sind ohne Frage eine der bekanntesten Girlbands Englands, aber im Gegensatz zu, sagen wir, Amy Winehouse oder Joss Stone waren sie nie big in the USA. Jede neue Single der Babes, die selbstverständlich ein neues Album ankündigt, hat sich deshalb dem Test zu unterziehen, ob sie einzig und allein darauf abzielt, Englands bestes Dreiergespann auf dem amerikanischen Markt zu platzieren.

Anlass zur Panik gab es bereits genug. Nun liegt das Ganze auch visuell vor. Schön. Das ändert nichts daran, dass auch die Masterversion des Songs doof klingt. Das Wort „sexy“, darauf können wir uns einigen, ist schon seit einiger Zeit überstrapaziert, wenn nicht sogar überbewertet, und es kommt in einem Song mit dem Titel Get Sexy entsprechend oft vor. Abgesehen davon empfinde ich die Anrede „Hey Sexy“ als sexistisch, diffamierend und stelle mir dabei Männer im Stil eines Hulk Hogan vor. Ergo: nicht gut.

Außerdem nehmen die „Girls“ doch reichlich Anleihen an eurodance-artigen Verbrechen und mit Verlaub, das ist ein Verbrechen, mit dem möglicherweise auch die Sugababes nicht davon kommen. Dabei bin ich ja sehr tolerant, wenn es um Verbrechen geht. Doch schauen wir uns das Ganze doch mal analytisch an.

Gestohlene Songelemente: Die Pre-Hook/ Bridge/ Whatever von Amelle – die kenne ich doch irgendwo her!

Grower-Faktor: Mittel. Wie die meisten Songs der Sugababes finde ich auch diesen nach einmaligem Hören scheiße. Möglicherweise ändert sich das.

Stimmenliebe: Hoch. Harmonisch, Amelle, gut arrangiert.

Eurodance-Inhalte: zu hoch.

Ami-Markt-Faktor: Niedrig. Klingt wesentlich englischer als erwartet und damit nicht, wie man vielleicht befürchtet hat, wie ein Lady Gaga-Verschnitt, sondern eigentlich… eigentlich wie ein typischer Sugababes-Song. Shit.

Kurzhaarquote: Zu hoch.

Und das Video? Nun, die Sugababes haben aufgehört gute Videos zu machen, nachdem sie Run for cover abgedreht haben. Das neue ist dementsprechend auch kein Feuerwerk. Einzeln zusammengewürfelte Szenen, die im Verbund nicht gerade Sinn machen. Man könnte es wohl ein „Perfomance“-Video nennen, was schon insofern lächerlich ist, weil ich die Sugis eigentlich immer für zu cool zum Tanzen gehalten habe. Ich wurde (leider) eines Besseren belehrt.

… ein ganz bedeutender, wenn man mich fragt: Reichhaltiges Essen lässt sich besser auf englisch als auf deutsch skandieren.

Ich meine:

Car-bon-hy-drates! Car-bon-hy-drates!

vs.

Koh-len-hy-dra-te! Koh-len-hy-dra-te!

Klingt ja wie beim Buchstabierfest der ABC-Schützen!

Deshalb: CAR-BON-HY-DRATES! CAR-BON-HY-DRATES! CAR-BON-HY-DRATES!