Tagesarchiv: Juli 29th, 2009

Tja. Kein Tag ohne Girlband. Mir ist doch gerade noch eine eingefallen, über die ich schon längst hätte mal spötteln sollen – mit Recht, wenn ihr mich fragt!

Name: Girlicious. Sie dürfen die Band jetzt verlachen. Hier dachten wohl ein paar findige Köpfe, dass der Bezug zu einem Destiny’s Child-Song die jungen Mädchen dieser Welt zum Kaufen anregen wird. Falsch gedacht. Bootylicious ist mittlerweile so alt wie deine Oma und es ist fraglich, ob die Kaufkraft von heute dieses Lied überhaupt noch kennt. Überhaupt ist die Modeendung „-licious“ schon längst wieder unmodern, wenn ihr mich fragt. Schnelllebige Zeit et cetera.

Musikalische Nische: Keine. Producerverortung nicht möglich, da Potpourri auf dem Album. Allerdings: Robin Antin hat hier ordentlich mitgemischt, wie wir im nächsten Tagesordnungspunkt noch sehen werden. Und was bedeutet Robin Antin? Pussycat Dolls, Casting… Na, klingelt’s?

Entstehungsgeschichte: Haste nich jesehn! Hier haben wir es tatsächlich mit einem klassischen Kunstprodukt zu tun, zusammengestellt in einer Fernsehshow mit dem elaborierten Titel The Pussycat Dolls present: Girlicious. Das Tolle: Die Band, die man mit dieser Show in Verbindung bringt, dient eher als Fliegenfalle und hat nicht wirklich viel damit zu tun. Robin Antin dafür umso mehr und die hat, wie der begnadete Leser weiß, ja auch den Paradiso Girls auf die Beine geholfen. Keine gute Referenz!

Image: Jung, sexy (d.h. halbnackt und eingeölt), hardcore, „stylisch“ (das impliziert eine Vermischung von Trends, die vermutlich unter Umständen gerade angesagt sind, z.B. Hosenträger, Schuluniformröckchen, Kniestrümpfe und bemalte Springerstiefel). Niemand braucht eine Lolita, wenn es genauso gut mit ein wenig Arschverdreschen geht. Doof… Typisches Casting-Image (wir Deutschen kennen uns da ja aus), das in den meisten Fällen (wie auch in diesem) nicht zündet und einfach nur übertrieben wirkt. Man sollte sich nicht an etwas versuchen, was andere schon besser gemacht haben (siehe: Teairra Marís erstes Album Rocafella presents…).

Musik: So wie man sich das vorstellt. Laut, frech, jung, oversexed, böse, bitch! Gwen Stefani trifft Teairra Mari trifft Queensberry und leiht sich was bei Ciara in der Goodies-Ära. Für alles weitere empfehle ich den Konsum der unten eingefügten Videos. When words fail me…

Rollenverteilung: Casting-typisch. Bloß aufgepasst, dass sich die Mädels untereinander nicht ähneln! Hier ebenfalls vertreten: Das Phänomen der obligatorischen Blondine. Und natürlich – nicht zu vergessen! – jede von ihnen kann singen und beweist das auch so gut es geht. Nun das Problem: Eine Girlband sollte durch Harmonien überzeugen, nicht durch individuelles, nicht zusammenpassendes Geschrei und genau da liegt der Hund begraben.

Sympathiefaktor: Was kommt unter gering? Gott, keine Ahnung. Muss mal nachgucken gehen und das könnte dauern. Muss erstmal den Spaten suchen und die Spitzhacke…

Was sagt der Rest der Welt: Ungefähr nichts. Das könnte damit zusammenhängen, dass das Pussycat-Original ihr Album und die Single, in deren Video sie der Blaupause doch sehr ähneln, zu ungefähr gleicher Zeit veröffentlicht haben. Leider hatten die Pussys einen größeren Bekanntheitsbonus. Abgesehen davon ist es schön zu wissen, dass Girlicious den Weg einer jeden Castingband geht: Ein Mitglied ist bereits auf der Strecke geblieben, nun macht man (leider) als Trio weiter.

Videos: Ohne Worte.

Mehr zum Thema:

Electrik Red vs. Paradiso Girls

RichGirl

Cherish

Dear Jayne

Brick & Lace

Man könnte fast meinen, ich hätte nichts zu tun oder warum sonst sollte ich so exzessiv nach Girlbands Auschau halten? Nun, ich habe zu tun, aber die Qualität dieser Beschäftigung (Lernen) lässt meinen analytischen Geist immer wieder zu der Frage wandern, ob das Konzept Girlband eine Zukunft hat.

Hier habe ich noch eine gefunden. Beim Langeweileklicken bei Itunes. Man darf gespannt sein…

Name: RichGirl. Tut sich nicht nur durch eigene Schreibweise hervor, sondern auch durch eine eigenwillige Interpretation eines Namens, der ihnen aufgrund der Producergebundenheit (RICH Harrison) noch zur Stolperfalle werden kann. Und gab es nicht mal einen Rapper namens Rich Boy, der über Felgen und so’n Scheiß rappte? Wikipedia sagt: ja. Schlecht für RichGirl: Ihr Namensvetter ist nicht unbedingt attraktiv.

Aber ich wollte über die eigenwillige Interpretation reden… Ich schweife schon wieder ab. Dieses Thema ist einfach zuuuu interessant, um geradlinig zu denken. Was sagt denn Wiki dazu? The group’s name, RichGirl, refers to „a certain attitude and confidence, combined with individuality and talent that any girl might posses“, rather than material items. Ay, das hätte ich an der Stelle der „Girls“ auch gesagt… Be-hin-dert, wenn ihr mich fragt… Hätten sie den Namen gewählt, um ihre Sucht nach Materiellem damit zur Schau zu stellen, hätten sie vermutlich glaubwürdiger gewirkt als mit diesem Schlonzes…

Musikalische Nische: Nach der dritten Girlband bekomme ich das Gefühl, dass diese nicht mehr autark entstehen, wachsen und blühen, sondern symbiotisch an Produzentenstämme gebunden sind. In diesem Fall haben wir es mit Rich Harrison zu tun – nicht die schlechteste Referenz, wenn man mich fragt. Ich sage nur: Amerie. Und ich sage es erneut: Amerie. Und, damit es deutlich wird, noch einmal: Amerie. Habe ich Amerie schon gesagt?

Entstehungsgeschichte: Mehr oder weniger organisch. Der Großteil wurde von Rich Harrison im Dreck gefunden und dann betüddelt und aufgezogen, andere Teile der Band wurden, laut wikipedia, in einem Casting-Akt hinzugefügt.

Image: Manche Bands setzen auf wenig Kleidung und die damit verbundene Reizwirkung. Andere wiederum legen den Fokus auf ihre Stimmen, was aber nicht immer gut geht. RichGirl probieren über die Band-Masche zu kommen und zitieren dabei En Vogue-technisches Verhalten. Reicht das, um sich vom Rest der Konkurrenz abzuheben? Vielleicht funktioniert es ja besser mit der obligatorischen Blondine…

Musik: Pure Rich Harrison! D.h.: Beat, Ompf, Bumm und Tschack  - perfekt aufeinander abgestimmt, mit einer ordentlichen Portion Oldschoolfeeling (siehe: Amerie, Crazy in Love von Beyoncé) abgeschmeckt. Doch genau da drückt der Schuhe. He ain’t with me now (tho) klingt gerade am Anfang verräterisch nach der entzückenden Amerie.

Rollenverteilung: Zu viel Individualgesang – wenig Wert auf Harmonie, wie das bei Electrik Red der Fall ist. Nicht gut, vor allem, weil die Stimmen auch nicht gerade die größten sind.

Sympathiefaktor: Mittel bis gering. Klingt doch sehr wie gewollt und nicht gekonnt, d.h. laaaaaangweilig. Glaubt ihr wirklich, ich hinterlasse auch nur einen Fingerabdruck auf dem Fischbesteck, wenn das Mahl uninteressant aussieht?

Was sagt der Rest der Welt: Nicht viel, sieht man von ein paar User-Gesprächen ab, die auf bestimmten Seiten noch friedvoll ablaufen… Schön finde ich die Sache mit dem Beyoncé-Klon, denn schaut man im unten angehängen Video etwas genauer hin, findet man ein Mädchen, dass Kelly Rowland in meinen Augen ziemlich ähnlich sieht. Nicht gut, was die Abgrenzung von gleichartigen Produkten angeht und der stimmliche Zusatznutzen… Team Electrik Red!

Video:

Mehr zum Thema:

Electrik Red vs. Paradiso Girls

Girlicious

Cherish

Dear Jayne

Brick & Lace

Als ich vorhin auf dem Weg zur Packstation war, wurde ich vom Blitz der Erkenntnis erschlagen: Ich hatte ganz unbeabsichtigt etwas sehr Wertvolles, längst Vergessenes wiederentdeckt, als ich über meine Beziehung zu Powerpoint nachdachte. Meine Beziehung zu Powerpoint ist übrigens schlecht: Team Keynotes!

Erinnert sich noch jemand an das Wort Rendezvous? Vermutlich nicht. So eine Schande! Wir haben dieses wunderbare, dem französischen gestohlene Wörtchen einfach vergessen! Wir haben es nicht vergessen. Wir haben es ersetzt! Und wodurch? Durch Date! Unter dem Einfluss romantischer Komödien aus dem Land jenseits des großen Teichs und diverser Shows, in denen Leute angeblich die Liebe ihres Lebens suchen, haben wir die Augen verdreht, bis die Pupillen fast nicht mehr zu sehen waren und dann hat es bzzzz gemacht und in unserem Gehirn gab es einen Kurzschluss und unser gesamtes Vokabular wurde ausgewechselt.

Date!

Merde!

Ich sag nur noch Rendezvous! Das passt sowieso viel besser zu mir, weil ich ein Mädchen bin und den ganzen Tag in Reverie verbringe, Crêpes esse und durch die Straßen promeniere.

Ich habe ja noch nie das gemacht, was andere tun. Ich werde deshalb meinen Wortschatz franciesieren und auf sämtliche Anglizismen scheißen!

Ist das nicht traurig? Alle Schüler gehen jetzt in den Sommer, d.h. dass die von mir so geliebten Berufsschüler demnächst von der Bildfläche verschwinden und nicht mehr in der Mittagspause vor meinem Fenster an ihren getunten Autos herumspielen oder ihre Stereoanlagen austesten oder mit lauter Musik durch die Straße rasen.

Ein Stück Kontinuität in meinem Leben bricht weg. Ich konnte mich so darauf verlassen, jeden Morgen Hiphopbeats durch die schlafenden Glieder gejagt zu bekommen, dass ich vermutlich ab nächste Woche Montag unter Schlafstörungen leiden werden. Heute morgen war sogar mal was Gutes dabei (d.h. nicht Flo Rida): Everytime the beat drops von Monica. Soviel Geschmack habe ich den Berufsschülern überhaupt nicht zugetraut. Ich bin beeindruckt….

Jetzt heißt es also: Tschüß, Berufsschüler!

Und das ganze sechs Wochen lang! Hilfe! Und überhaupt: Es ist schon wieder ein Schuljahr vorbei. Schrecklich… Und ich studiere immer noch… Ich werde depressiv.