Tja. Kein Tag ohne Girlband. Mir ist doch gerade noch eine eingefallen, über die ich schon längst hätte mal spötteln sollen – mit Recht, wenn ihr mich fragt!

Name: Girlicious. Sie dürfen die Band jetzt verlachen. Hier dachten wohl ein paar findige Köpfe, dass der Bezug zu einem Destiny’s Child-Song die jungen Mädchen dieser Welt zum Kaufen anregen wird. Falsch gedacht. Bootylicious ist mittlerweile so alt wie deine Oma und es ist fraglich, ob die Kaufkraft von heute dieses Lied überhaupt noch kennt. Überhaupt ist die Modeendung „-licious“ schon längst wieder unmodern, wenn ihr mich fragt. Schnelllebige Zeit et cetera.
Musikalische Nische: Keine. Producerverortung nicht möglich, da Potpourri auf dem Album. Allerdings: Robin Antin hat hier ordentlich mitgemischt, wie wir im nächsten Tagesordnungspunkt noch sehen werden. Und was bedeutet Robin Antin? Pussycat Dolls, Casting… Na, klingelt’s?
Entstehungsgeschichte: Haste nich jesehn! Hier haben wir es tatsächlich mit einem klassischen Kunstprodukt zu tun, zusammengestellt in einer Fernsehshow mit dem elaborierten Titel The Pussycat Dolls present: Girlicious. Das Tolle: Die Band, die man mit dieser Show in Verbindung bringt, dient eher als Fliegenfalle und hat nicht wirklich viel damit zu tun. Robin Antin dafür umso mehr und die hat, wie der begnadete Leser weiß, ja auch den Paradiso Girls auf die Beine geholfen. Keine gute Referenz!
Image: Jung, sexy (d.h. halbnackt und eingeölt), hardcore, „stylisch“ (das impliziert eine Vermischung von Trends, die vermutlich unter Umständen gerade angesagt sind, z.B. Hosenträger, Schuluniformröckchen, Kniestrümpfe und bemalte Springerstiefel). Niemand braucht eine Lolita, wenn es genauso gut mit ein wenig Arschverdreschen geht. Doof… Typisches Casting-Image (wir Deutschen kennen uns da ja aus), das in den meisten Fällen (wie auch in diesem) nicht zündet und einfach nur übertrieben wirkt. Man sollte sich nicht an etwas versuchen, was andere schon besser gemacht haben (siehe: Teairra Marís erstes Album Rocafella presents…).
Musik: So wie man sich das vorstellt. Laut, frech, jung, oversexed, böse, bitch! Gwen Stefani trifft Teairra Mari trifft Queensberry und leiht sich was bei Ciara in der Goodies-Ära. Für alles weitere empfehle ich den Konsum der unten eingefügten Videos. When words fail me…
Rollenverteilung: Casting-typisch. Bloß aufgepasst, dass sich die Mädels untereinander nicht ähneln! Hier ebenfalls vertreten: Das Phänomen der obligatorischen Blondine. Und natürlich – nicht zu vergessen! – jede von ihnen kann singen und beweist das auch so gut es geht. Nun das Problem: Eine Girlband sollte durch Harmonien überzeugen, nicht durch individuelles, nicht zusammenpassendes Geschrei und genau da liegt der Hund begraben.
Sympathiefaktor: Was kommt unter gering? Gott, keine Ahnung. Muss mal nachgucken gehen und das könnte dauern. Muss erstmal den Spaten suchen und die Spitzhacke…
Was sagt der Rest der Welt: Ungefähr nichts. Das könnte damit zusammenhängen, dass das Pussycat-Original ihr Album und die Single, in deren Video sie der Blaupause doch sehr ähneln, zu ungefähr gleicher Zeit veröffentlicht haben. Leider hatten die Pussys einen größeren Bekanntheitsbonus. Abgesehen davon ist es schön zu wissen, dass Girlicious den Weg einer jeden Castingband geht: Ein Mitglied ist bereits auf der Strecke geblieben, nun macht man (leider) als Trio weiter.
Videos: Ohne Worte.
