Tagesarchiv: Juli 27th, 2009

Ich denke, wir sind uns einig, wenn wir sagen, dass ein Künstler dann in den vorderen Reihen angekommen ist, wenn er mit anderen verglichen wird und die *** im Satz „der/die neue ***“ ersetzt. Gut für Lady Gaga, denn sie ist damit offiziell in der ersten Reihe angekommen. In meiner persönlichen Alben-Top-Drei des letzten Jahres sowieso, aber jetzt auch offiziell.

Einen solchen Vergleich mit Ihrer Majestät konnte ich natürlich nicht einfach überlesen und erlaubte mir, das Video der jungen Dame mit dem schicken Namen Pixie Lott zu youtuben.

Was soll ich sagen? Der Vergleich ist eine dezente Form der Majestätsbeleidigung. Pixie Lott hat vielleicht das Umpf und das Ompf – musikalisch gesehen – (der Song hat was Mitreißendes, versagt aber vor der Ziellinie), aber die Sängerin hat definitv nicht das Zsch! von Lady Gaga.

Pixie Lott ist, mit Verlaub, wie das überdreht-pubertäre Nachbarskind, dass mit vierzehn angefangen hat sich die Haare zu blondieren, weil sie hörte, dass es modern ist. Ihre Stimme hat wenig Wiedererkennungswert und sie kommt im obrigen audiovisuellen Beitrag einzig über ihren Lolita-Niedlichkeitsfaktor. Überhaupt, das Video! Das Herumkriechen zwischen Laken hatten wir schon so oft, dass ich mich weigere, Beispiele aufzuzählen. Und die Szene im Umkleidungsraum, der Geschlechterkampf erst. Das einzige Originelle waren der afrikanische Stammestanz und das Dauerklatschen und beides wirkte eher merkwürdig, zu sehr auf cool gemacht und irgendwie übertrieben. Detlef D! Soost denkt sich anspruchsvollere Choreografien aus als diese.

Da es langweilig und gemein ist, seine Aussage (in diesem Fall: Majestätsbeleidigung) nur auf einem Indiz zu basieren, habe ich mir ein zweites Video aus den Rippen geschnitten:

Sieht Pixie nicht in manchen Einstellungen aus wie das „lovechild“ von Duffy und Mandy Borg? Nur dass das biologisch leider nicht geht, es sei denn, wir hätten es hier mit etwas mehr Prominenzschwindel zu tun als einer retouchierten Altersangabe… Die Musik ist nicht schlecht, aber erneut tötet der Refrain den Song. Ich meine, was ist das? Schon mal was von Melodie gehört?

Dem Video kann man ebenfalls individuelle Züge unterstellen, aber auch ein gewisses Kalkül: Die blonde Teenieprinzessin auf einer Party, die eigentlich eine Absturzparty ist, aber der Kabelträger hat schnell alle Kotzflecken weggemacht. Es drängen sich trotzdem ein paar Überschneidungen auf, nämlich diese hier, diese hier und – und oh! Diese hier. Take those sunglasses of, baby! And that bow! Leave the teacup alone! You are not Lady Gaga. I repeat: You are NOT Lady Gaga!

Fazit: Wenn Synthiepop in Blond, dann richtig. D.h. nicht Pixie Lott.

Da heute mal wieder ein wenig Schönheitspflege für die Wohnung angesagt war, ich mich aber nicht dazu aufraffen konnte, versuchte ich es mit einer kleinen musikalischen Bestechung. Und siehe da! Es funktionierte! Wie beschwingend ein bisschen R’n'B beim Wischen, Saugen, Aufräumen doch sein kann!

Beschwingt wurde dabei nicht nur mein Körper, sondern auch mein Gehirn. Es war nämlich so, dass ein gewisser Lil Wayne auf der Scheibe vertreten war (nur zur Information: Electrik RedHow to be a lady Vol. 1).  Das Problem ist ein simples. Wieso Little Wayne? Wieso muss dieses äh Menschenwesen momentan auf jeder R’n'B-Scheibe vertreten sein?

Ich bin keine Hiphopexpertin, beileibe nicht. Ich fröne lieber dem weiblichen Gesang, aber wenn Little Wayne wirklich so groß wäre, wie die Anzahl an Features mich glauben machen will, müsste ich dann nicht wenigstens ein bisschen was von seiner magic spüren? Ich meine, ich spüre ja auch die magic von Madonna, obwohl ich ihre Musik nicht besonders toll finde, aber bei seiner Waynigkeit habe ich dieses Gefühl noch nie gehabt.

Schauen wir mal auf die Haben-Seite:

  • Eine Stimme wie Minnie Mouse auf Helium
  • Die Bemalung eines untalentierten Harlekins
  • Die Größe eines Yorkshireterriers, gepaart mit dem Gesichtsausdruck eines Trolls
  • Eine große Leistung: Er ist vermutlich der einzige Rapper, der das „Lil“ vor seinem Namen mit Recht trägt.

Ziehen wir ein Resümee: Ich habe keine Ahnung, was er von mir will. Ist er eigentlich der Sohn von Stevie Wonder? Ich dachte nur, sie sehen sich so ähnlich. Kann mich bitte jemand aufklären, was es mit Little Wayne auf sich hat oder zumindest sagen, dass er – auf webbisch – einfach nur „wayne?“ ist, damit ich mich bestätigt fühle?