Ein neues Beyoncé-Video ist veröffentlicht worden und ich habe es noch nicht analysiert. Welch Schande! Das könnte allerdings damit zusammenhängen, dass mir bislang noch nicht besonders viel zu Sweet Dreams eingefallen ist. Ich musste noch mit meinem Bewusstsein klären, ob es das Video ist oder die Drogen, die ich nicht nehme, dass es so – merkwürdig aussieht.
Wir haben uns jetzt geeinigt: Es muss das Video sein, in dem Beyoncé eine Menge auf der Stelle läuft, sich teilt und auffächert und nebenbei sowohl aussehenstechnisch als auch vom Videohintergrund her sehr stark an diese Frau und ihr eines Video – wie hieß es doch gleich? – erinnert (Shakira wiederum erinnert im neuen She Wolf-Video visuell leicht an die Beyoncé, die wir aus diesem Video kennen; so schließt sich der Kreis!). Und die tänzerische Dreifaltigkeit – ach Gott! Etwas Neues! Bitte! Auch wenn die Moves nicht von schlechten Eltern sind. Das muss ich Beyoncé lassen…
Überhaupt habe ich an diesem Video auffallend wenig auszusetzen. Das spricht für Sweet Dreams – jedenfalls cliptechnisch. Von dem Song selbst mag man halten, was man will, aber in meinen Ohren zündet er trotz guter Versuche einfach nicht.
Als ich mich heute abend mal wieder erfolgreich davon abhielt, zu schreiben, stolperte ich im Internet über zwei aktuelle Girlbands. Das fand ich bemerkenswert, denn erstens scheint dieser Typus doch seit geraumer Zeit eher eine Randerscheinung zu sein und zweitens haben sich die Zeiten wohl geändert. Oder nein. Vielleicht doch nicht. Ich wollte gerade einen Witz darüber machen, dass die Namen von Girlbands mit der Zeit immer schlechter geworden sind, aber schauen wir der Wahrheit ins Auge: Sugababes, Pussycat Dolls – alles keine namenstechnischen Feuerwerke. Gut, streichen wir „zweitens“ aus diesem Text und widmen uns den eigentlichen Tatsachen.
In der linken Ecke:
Name:Electrik Red; klingt mehr nach einem holländischen House-DJ als nach einer Girlband, was natürlich auch gut sein kann, da überraschend. Außerdem lässt der Name nicht wirklich negative Assoziationen zu – anders als in anderen Fällen, wie wir noch sehen werden. Im Gegenteil klingt „red“ doch ganz vielversprechend.
Musikalische Nische:Electrik Red sind wohnhaft bei Def Jam, einem durchaus angesehenen Label, wenn man mal von den Promobemühungen absieht (siehe: Teairra Mari, Megan Rochelle, Chrisette Michele). Ihre Hausproduzenten (nicht: Houseproduzenten, haha) sind The-Dream und Tricky Stewart, was ja auch keine schlechten Namen sind. Wenn ich ehrlich bin, habe ich ja sogar eine leichte Sympathie für The-Dream, aber das würde ich niemals offen zugeben.
Entstehungsgeschichte: Um unseren Freund Wikipedia zu zitieren: „Electrik Red comprises two sets of childhood friends, Reevey and Lewis from New York City and Allen and Rosete from Toronto.“ Gähn. Kindheitsfreunde, schön. Ein Klassiker. Immerhin: Die vier haben vorher getanzt und legen in den Clips saubere Performances hin, siehe Video unten.
Image: Verrucht und sexy, ein bisschen schräg, siehe Plattencover oben. Und irgendwie erwachsen. Das ist positiv. Aus dem Spielplatzgirlbandalter bin ich raus.
Musik: Grown and sexy R’n'B, erinnert ein wenig an Danity Kane zu besseren Zeiten oder an The 411, wenn die noch jemand kennt. Angenehm ist, dass sie sich streckenweise abseits der üblichen Klischees bewegen. Electric City (siehe unten) brennt! Ich liebe den düsteren Touch und heimlich auch den kryptischen, absolut nicht-r’n'B-esken Titel…
Rollenverteilung: Eine Leadsängerin, dreimal schmückendes Beiwerk. Da alle Mitglieder der Band weiblich sind, kann man hier mit Gleichberechtigung nicht wirklich argumentieren. Fakt ist sowieso, dass ich der Meinung bin, dass diese Konstellation die bessere ist. Siehe Destiny’s Child. The writings on the wall – Classic! Survivor – langweiliiiiig! Je mehr Sängerinnen in einem Song mitmischen, umso unruhiger wird er und das ist selten positiv. Darum Applaus für diese Konstellation, auch wenn sie nicht immer zünden muss (siehe: Pussycat Dolls, post-PCD-Ära).
Sympathiefaktor: Hoch; erwachsene Mädels, die ein angenehm wildes Frauenbild verkaufen, gute Musik (The-Dream!), abwechslungsreiche Songs. Ich werde mich näher damit beschäftigen.
Was sagt der Rest der Welt: Meine herzallerliebste Blackmusicreferenz sagt „Above average“. Amen.
Video:
(Und nun noch ein wenig technische Spielerei. Oder um es in Bloggerish zu sagen: Meet the Paradiso Girls – after the jump!)