Tagesarchiv: Juli 25th, 2009

Ich  muss jetzt noch mal auf Leoparden zurückkommen – oder so ähnlich. Das wohl verwirrendste englische Wort des Jahres ist „leotard“. Ich denke, ich bin nicht alleine, wenn ich zugebe, dass ich immer dachte, dass es sich dabei um ein hässliches Kleidungsstück mit einem deutlichen touch of the eighties handelt und entsprechender Tiermusterung.

Falsch gedacht. Bei einem leotard handelt es sich um das, was wir Deutsche als „Body“ bezeichnen. Viele Prominente sind Fans von Leotards. Beyoncé Knowles hat diesem Kleidungsstück sogar einen eigenen Song gewidmet („Single Ladies (Put a leotard on them)“.

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum die Engländer leotard und die Deutschen Body sagen. Body ist, wie die Fähigen wissen, die Übersetzung von „Körper“. Deutsch ist manchmal doof. Einen Körper haben wir auch an, wenn wir keinen Leotard tragen. Wieso dann also diesen verwirrenden Begriff des Bodys? Das lädt doch geradezu dazu ein, sich in angelsächsischen Konversationen zu blamieren. “Ooooh, I love a good body!“ – kommt im Puff gut, beim Geschäftsessen eher nicht.

Fazit: Um die Sprachverwirrung zu verringern – was im Zuge der Globalisierung sicherlich nicht verkehrt ist -, werde ich nur noch von Leotards sprechen, nicht mehr von Bodys. Auch wenn ich dann jedes Mal an Leopardenmuster denken muss. Da ich anfange, diese Optik zu lieben, Leotards aber nach wie vor hasse, finde ich das nicht so gut. Soll meine kurze Besessenheit mit Leoparden an einem merkwürdigen Kleidungsstück mit überdimensionalen Beinausschnitten zugrunde gehen?

… sagte Miss Marina Diamonds und sie hatte so recht. Ich bin tatsächlich besessen. Besessen von Leopardenoptik. Eben schaute ich in den H&M-Katalog. Das war das Ergebnis:

Ich – will – diese – Mütze – haben!

Nicht nur wegen dem Leo-Muster, sondern aus Prinzip. Vor Jahren besaß ich eine Mütze in genau dem gleichen Schnitt aus weichem Flausch. Sie war von Only und ich war von ihr besessen. Damals noch immatrikulierte, pendelnde Studentin in Würzburg, lief ich regelmäßig auf dem Weg zum Hubland am Laden vorbei und sah die Mütze. Und irgendwann sah ich sie nicht nur auf dem Weg, sondern auch wenn ich zu Hause war – vor meinem inneren Auge und auf  meinem wunderbaren Köpfchen, kombiniert mit meinen wunderbaren dunkelroten Kreolen. Ergo: Ich musste diese Mütze kaufen.

Ich kaufte sie. Dann trug ich sie jahrelang mit Stolz, Würde und Grazie und dann starb sie. Da ich selbst keine Weißwäsche mache (zu wenig Schneefarbenes im Kleiderschrank), gab ich sie in die Obhut meiner damaligen Mitbewohnerin – mit dem Ergebnis, dass ich sie in Kindergröße wiederbekam. Das Ironische daran: Es war ein warmer Winter und der Morgen, an dem ich feststellen musste, dass meiner Traummütze die Luft ausgegangen war, war das erste und einzige Mal in diesem Jahr, dass es schneite und ich hatte keine Kopfbedeckung mehr!

Mittlerweile habe ich eine tolle graue Strickmütze von C&A, aber das ändert nichts daran, dass – ich – diese – Mütze – brauche! Geld! Schnell!

Heute bin ich mal wieder an meinem Lieblingsplakat vorbeigelaufen (oder auch nicht; ich war ja besinnungslos). Ausnahmsweise habe ich den Kopf gehoben, um Jennifer Rostock nicht schon wieder in den Schritt zu schauen und was musste ich feststellen?

Zum Dank wurde ich von einer höchstaggressiven jungen Frau in Dominaverkleidung böse angestiert, als ob sie mich dafür bestrafen wollte, dass ich ihr so oft in den Schritt gestarrt habe. Dabei ist das doch überhaupt nicht meine Schuld! Wo hätte ich den sonst hinschauen sollen und wieso glotzt diese Frau überhaupt so, als ob jeden Moment eine gespaltene Zunge aus ihrem Mund schnellen und einem den Kopf abhacken würde?

Ich vermute, das nennt man geschicktes Marketing. Bad Girls verkaufen sich ja meistens besser als Good Girls. Letztens musste ich unfreiwillig GZSZ gucken, weil meine Schwester in dieser Beziehung eine unverständliche Obsession hat. Wie der Zufall es wollte, hatten Jennifer Rostock einen Gastauftritt in diesem schrecklichen Fernsehspektakel. Hier kommen die Fakten:

  1. Ihre Musik hat mich an Silbermond erinnert. Das ist nicht unbedingt die beste Referenz.
  2. Von einer wilden Bühnenshow war Jennifer Rostock weit entfernt. Ihr Schritt kam auch nicht richtig zur Geltung.
  3. Ein Auftritt bei GZSZ? Shiat! Dann wissen wir ja jetzt, wer die Zielgruppe ist.

Doch wieso schaut Jennifer Rostock so böse, wenn ihre Zielgruppe jung und einschüchterbar ist? Also wie jetzt? Diese Marketingstrategien sind doch irgendwie ein bisschen – wie soll ich in überflüssigen Fremdwörtern sagen – divergent. Auf der einen Seite ein Poster, dessen Fokus bei einer Betrachtergröße von unter 1,70m (also eigentlich die Körpergröße der Zielgruppe) auf den, äh, Oberschenkeln der Sängerin liegt. Auf der anderen Seite ein weichgespültes Serienformat eines deutschen Privatsenders.

Gut, dass mich Rockmusik sowieso ungefähr nicht interessiert. Dann muss ich mich mit sowas nicht auseinandersetzen…

… Menschen mit vielen Zetteln in der Hand, die Leute in der Fußgängerzone belästigen. Unter der Woche sind sie schon schwer zu ertragen, aber am Wochenende sind sie echtes Ungeziefer!

Vorhin war ich kurz bewusstlos und als ich wieder aufwachte, durfte ich folgendes Leopardenmustertop von H&M zu meinen Besitztümern zählen:

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Huch! Wie kam das denn da hin? Wenn ich bei Sinnen gewesen wäre, hätte ich mir sicherlich kein Oberteil gekauft, das man so auch an Nutten, überdrehten Seniorinnen und Girlbandmitgliedern sieht. Tatsache ist, jetzt besitze ich es und ich frage mich ernsthaft, woher dieser Hang zu Tiermustern plötzlich kommt. Wie wir uns erinnern, habe ich letztens auch starke Präferenzen für Leopardenbettwäsche und Zebrahandtücher gezeigt.

Wenn wir Ursachenforschung betreiben wollen, müssen wir wohl da ansetzen, wo es am meisten wehtut: An einem Fehler meinerseits. Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich es geschafft, in einem Anfall von Aufräumen sämtliche Benutzereinstellungen auf meinem Computer zu löschen und auf Stunde Null zurückzusetzen. Nicht gut, denn damit war auch der von mir sehr geliebte, selbstdesignte Bildschirmhintergrund mit den Zimtsternen verschwunden. Weil ich zu faul war, das diesem Design zugrunde liegende Bild im Internet zu suchen, bediente ich mich eines Standardbildschirmhintergrund aus dem Apple-Repertoire. Ich habe ihn hier einmal nachgestellt:

Bildschirmfoto

Genau da liegt die Raubkatze begraben: Denn je länger ich diesen neuen Bildschirm anschaute, umso mehr gewöhnte ich mich an das Leopardenfellmuster. Und als ich diesen Hintergrund dann auch noch in einer Episode von Veronica Mars im Hintergrund entdeckte (Veronica Mars = die Mutter aller Apple-Product Placements), war es sowieso zu spät, weil dann fühlte ich mich hip und cool und plötzlich war Leopardenmuster gar nicht mehr so schlimm.

Und jetzt? Jetzt gehe ich soweit, dass ich dieses Etwas sogar am Körper trage – obwohl ich weder eine Nutte noch eine Seniorin noch Mitglied einer Girlband bin. Wo wird das nur enden? Ich möchte es, um ehrlich zu sein, gar nicht wissen, weil meine Gedanken dann immer bei Leopardenganzkörperturnanzügen aus Spandex landen…