Es gibt die, die helfen und dann gibt es noch die anderen. Die, die gefressen werden. Die Lämmer, die einen Löwen aus uns machen. Die Haken, an denen wir uns festkrallen und uns dann zum anderen Ufer aufschwingen, um etwas zu bewegen und ich rede nicht nur von Möbeln.
Lämmer sind die Sachen, die den Hunger in uns wecken und uns zum Brüllen bringen. Kreative Menschen mögen Lämmer auch als Inspiration bezeichnen, ich bevorzuge den martialischen Schafsbegriff mit der anschließenden Schlachtung. Häufig sind die Lämmer nämlich die, die wir nicht mögen, die uns fies piesacken und deren negativen Einfluss wir dann einfach in etwas positives ummünzen: zum Beispiel einen Aspekt in einem kreativen Werk. Oder das Versprechen, es selbst besser zu machen. Oder das Wissen, das man selbst cooler ist als das Lamm, dass man, im Gegensatz zu ihm, schon viel mehr gelernt hat, dass man die Stadt in Brand stecken kann, wenn es sein muss. Und während das Lamm noch glaubt, gar nichts gemacht zu haben, wächst in uns die Revolution heran und ehe wir uns versehen haben platzt sie aus uns heraus wie Karamellbonbons im Backofen und oh wow! Wie laut werden wir brüllen, wir kleinen Löwen! Und was für Spuren der Verwüstung werden wir hinterlassen!
Lämmer haben, genau wie der Bernhardiner, meistens keine Ahnung, was sie einem antun (positiv oder negativ). Trotzdem sollte man auch ihnen danken, denn auch sie haben ihr Gutes. Manchmal ist das Gute mit Schmerzen verbunden, wenn dem Lamm ein langer Lernprozess folgt, der anschließend in etwas Positives gipfelt. Manchmal ist das Gute aber auch gratis. Das sind die seltenen Fälle und manchmal hat man es dann auch mit einem Bernhardiner im Schafspelz zu tun. Darum: Danke, ihr Lämmer. Danke, dass ihr in meinem Leben ein Feuerwerk entfacht habt, egal welcher Natur. Danke, dass ihr mich genährt habt, in den guten und den schlechten Zeiten, damit ich zu der wunderschönen, weisen, starken Löwin heranwachsen konnte, die ich heute bin. Ich werde euch das nie vergessen und trotzdem möchte ich manche von euch nie wieder sehen, andere schon. Das hängt vom Einzelfall ab.
Das Löwen-und-Lämmer-Konzept stammt im übrigen nicht wirklich von mir, sondern von der mir sehr verehrten Esthero. Ihr Lamm heißt Musik und ist auf dem wunderbaren Album Breath from Another (ein uralter Schinken, aber nie vergessen) in Scheibe gegossen worden (und -oh! Auf dem Nachfolger natürlich auch! Beides kleine Bernhardiner, wenn ich ehrlich bin…).


